Frank Oesterheld
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Extremsportler |
Das Abenteuer Paris - Brest - Paris
1228 Kilometer Nonstop
Einer der härtesten Radmarathons in
Europa
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Vorgeschichte
Die Veranstaltung Paris- Brest - Paris (P-B-P) ist
das älteste Radrennen der Welt. Es wurde 1891 zum ersten Mal als
Profirennen durchgeführt! Ab 1956 wurde es zum Event der Randonneure,
bei dem das "Ankommen in einem bestimmten Zeitfenster" das Wichtigste
ist. Die ersten drei deutschen Starter nahmen 1991 in einem
Gesamtstarterfeld von 3000 Radrennfahrer teil. In diesem Jahr stieg die
Zahl der Multikulti-Starter auf 5160 Teilnehmer, darunter über 300
Deutsche und weitere 25 verschiedene Nationen.
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Wie kam es dazu?
Mein Freund Andre Ulitza und ich fahren seit vielen Jahren Brevets (Prüfungen) bei den Randonneuren in Deutschland . Allerdings findet die Hauptorganisation in Frankreich statt. Die Längen der Brevets sind zwischen 200 bis 1000 Kilometer. Der Höhepunkt ist alle vier Jahre, denn dann findet die inoffizielle Olympiade Paris- Brest- Paris unter den Langstreckenradlern statt. Im Jahre 2006 festigte sich unser Vorhaben, dass wir 2007 die Mutter aller Prüfungen "P-B-P" fahren werden.
Die Qualifikation
Um in Paris starten zu dürfen, muss man im gleichen Jahr 200, 300, 400, und 600 Kilometer in einem bestimmten Zeitlimit fahren. Diese Aufgabe war nicht immer leicht. So wurde die 200ere Prüfung von Sturm und Regen beherrscht. Aber auch die 600 Kilometertour durch die Ardennen, Eifel, und Hunsrück mit anstrengend vielen Bergen und 5300 Höhenmetern verlangte einiges von uns ab. Trotzdem schafften wir alle Prüfungen und dass mit gutem Abstand von einigen Stunden vor dem Zeitlimit, da wir zusammen im Vorfeld nahezu 10000 Trainingskilometer in bergigen Gefilden absolviert hatten.
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Die Vorbereitung
Am Samstag vor dem Rennen fuhren wir in der Nähe von Paris zu unserem Hotel, in dem wir bis zum Start untergebracht waren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Eltern von Andre schon auf einem Campingplatz mit ihrem Wohnmobil. Sie versorgen uns während des Rennens an den verschiedenen " Checkpoints" netterweise mit Nahrung und Kleidung. Am Sonntag konnten wir endlich die Startunterlagen abholen. Die Anspannung und Nervosität war uns ganz schön anzumerken.
Das Rennen
Endlich: Am Montag um 20 Uhr ist es soweit, der Startschuss ist gefallen. Wir befinden uns in der schnellsten Startgruppe, die 80 Stunden zu Verfügung hat, um die Strecke zu bewältigen. Die Gruppe umfasst 1300 Starter, wo von nur 900 ankommen werden. Die anderen 3800 Teilnehmern haben ein Zeitlimit von 90 Stunden. Sie starten gestaffelt in Blöcken hinter uns. Die ersten 220 Kilometer fahren wir in einem großen Feld bis zu ersten Kontrollpunkt. Dort wird das Kontrollbuch abgestempelt mit Uhrzeit und die persönliche Magnetkarte durchgezogen. Es folgen noch weitere 14 Kontrollen.
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Nach der Kontrollstelle kam der Regen, der
uns die ganze Strecke begleitete. Das noch nicht genug, gesellte sich
auch noch Südwest-Wind hinzu. Das bedeutete für uns 600 Kilometer mit
Gegen- oder Seitenwind fahren. Am Morgen hatten wir 300 Kilometer
geschafft! Andre's Eltern hatten uns ein zauberhaftes Frühstück
zubereitet. Danach ging es wieder in den Sattel. Nach etwa Kilometer 500
kam die Nächste Pause, wo warm gegessen wurde und wir uns für die zweite
Nacht rüsteten.. Um 2 Uhr erreichten wir den Wendepunkt in Brest,
nachdem wir über den Atlantik gefahren waren. Wir waren ziemlich fertig.
Es gab nur einen Wunsch, schnell unter die Dusche und trockene Sachen
anziehen. Anschließend schliefen wir für 2 Stunden in einem Turnsaal auf
Feldbetten. Um 5 Uhr ließen wir uns wieder wecken.
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Ziemlich steif ging es wieder auf den Drahtesel und nach zwei weiteren Stunden wurde es endlich wieder hell. Unser Motivation stieg deutlich an, als wir die vielen Radfahrern begegneten, die noch bis nach Brest fahren mussten. So kämpften wir die nächsten 300 Kilometer weiter, natürlich begleitet von Regen und Wind, bergauf und ab. Hierbei lernten wir ,wenn auch nur kurz viele nette Menschen kennen, die uns vom der Straßenrand mit "ALLEZ,ALLEZ" anfeuerten und uns kostenlos versorgten. Auch Andre's Eltern versorgten uns an verschiedenen Checkpoints mit leckeren Sachen (einfach Super).
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Aber es gab auch
Reinfälle.
So wie die Schlafstelle bei Kilometer 900. Die erwies sich als echte
Pleite, da der Raum sehr klein und überfüllt war. Damit noch nicht
genug, es stank erbärmlich stark nach Ziegenstall und die
Geräuschentwicklung der Schnarcher war unerträglich. So sind wir völlig
genervt nach einer Stunde weiter gefahren. Da ein Unglück selten alleine
kommt, hatten wir 10 Kilometer später auch noch einen Plattfuß. Bei
starkem Regen und Dunkelheit hatten wir Schwierigkeiten die Ursache zu
finden. So kam es dazu das der eingesetzte Schlauch sofort wieder Luft
verlor. Alles noch noch mal von vorn.
Die dritte Nacht verlangte uns viel Kraft und Willen ab , da wir nur
zwei Stunden Schlaf bis dato hatten. Aber wir trotzten den Umständen und
erreichten am Donnerstagmittag die 1100 Kilometermarke. Im Wohnmobil von
Andre's Eltern haben wir nach dem Essen erst einmal 40 Minuten
geschlafen. Die letzten 130 Rennkilometer waren mit Starkregen
verbunden. Jeder von uns kämpfte mit seinen "Wehwechen", aber uns war
klar, wir werden zusammen das Ziel in Paris erreichen.
Das war dann auch nach 73 Stunden der Fall war. Fast 7 Stunden vor dem
gesteckten Zeitlimit. Nachdem Andre und ich uns in den Armen gelegen
haben und die eine oder andere Träne getrocknet war, gratulierten uns
Andre's Eltern zu unser vollbrachten Leistung.
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Fazit
Wir sind uns nach dieser Strapaze einig, dass wir 2011 noch einmal starten werden zum Abenteuer P-B-P. Der größte Dank gilt Andre's Eltern, die uns selbstlos über die ganzen Stunden und Tage super betreut haben. Weiterhin war es toll, so einen starken Partner wie Andre bei sich zu haben, um so ein Härterennen zu bestehen. Die vielen SMS von meiner Familie und Andre's Freundin Iris und vor allem Andreas Spieckermann haben uns immer wieder motiviert.
Der Wahlspruch der Randonneure traf diesmal zu.
Tue zuerst das Notwendige
Dann das mögliche
Und du schaffst das Unmögliche
Durch die schlechten Wetterbedingungen ,kam mehr als ein Drittel der Starter nicht in Paris an.